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Ohne Klinik geht nichts? Doch! Ansätze in der ambulanten Suchthilfe

Ambulante Hilfen sind ein wichter Baustein beim Weg aus der Sucht. Moderne Ansätze arbeiten zieloffen, auf die Betroffenen zentriert und berücksichtigen das Familiensystem.

Wenn Eltern vor Jahren verzweifelt eine Drogenberatungsstelle aufsuchten, weil ihr Kind die Schule vernachlässigte, verhaltensauffällig wurde, sich zu Hause an keine Regeln mehr hielt und sie feststellen mussten, dass Drogen im Spiel waren, wurden sie dort häufig erst einmal nicht ernst genommen. Eltern mussten sich Sätze anhören wie: „Sobald ein bisschen Cannabis konsumiert wird, laufen Eltern Amok“. Ihr Kind macht einen völlig normalen und vernünftigen Eindruck.“ Oder es gab die andere Variante: „Ihr Kind hat eine Suchterkrankung und braucht eine Therapie – das ist der einzige Weg.“ 

In den meisten Beratungsstellen ist das glücklicherweise schon lange nicht mehr so. Es wird zieloffener und personenzentrierter gearbeitet. Das Wichtigste in der modernen Suchthilfe ist: Der abhängige Mensch steht im Mittelpunkt der Beratung. Vor dem Hintergrund, dass der Suchtmittelkonsum für den Süchtigen immer einen Sinn macht, wird in den verschiedenen Beratungsstellen mit dem Abhängigen zusammen erarbeitet, wann und zu welcher Gelegenheit konsumiert wird und welches Ziel für ihn attraktiver ist, als der Konsum.

Wie hilfereich das Angebot einer gemeinsamen Beratung von Eltern zusammen mit ihrem Kind sein kann, bestätigt eine Mutter:

Seitdem ich mit meinem Sohn gemeinsam in der Drogenberatungsstelle war, hat sich unsere Kommunikation extrem verbessert. Früher war es chaotisch und wir haben uns angegiftet. In der Beratung konnte ich über meine Probleme sprechen und auch mein Sohn konnte sich „auskotzen“ und wurde ernst genommen. Angeleitet durch die Beratung, haben wir unsere Gespräche wieder in Gang bringen können: durch gemeinsame Aktivitäten, Spiele und unsere jeweiligen Wochenaufgaben. Zu Hause hat sich seit dem alles positiv entwickelt.

Eine weitere ganz wichtige Hilfe im Hilfesystem ist das ambulante betreute Wohnen.

Eine Mutter berichtet:

Mein Sohn war nicht bereit, eine stationäre Therapie aufzunehmen. Durch einen Besuch der aufsuchenden Drogenberatung wurde er animiert am ambulanten betreuten Wohnen teilzunehmen. Dadurch hat er gelernt, viele Dinge wieder selbst in die Hand zu nehmen. Inzwischen kommt er gut allein zurecht und hat eine Perspektive für seine Zukunft. Für ihn war diese Hilfe essentiell und enorm zielführend.

Neben den umfangreichen Hilfeangeboten der professionellen Suchthilfe ist auch die Selbsthilfe für Betroffene und/oder Angehörige fester Bestandteil des ambulanten Hilfesystems. Es ist wichtig, dass Angehörige verstehen, wie Sucht funktioniert und warum der Weg aus der Sucht so extrem schwierig und langwierig ist. Hierbei unterstützen wir als ARWED mit unseren Veranstaltungen, zu denen wir Fachleute zu verschiedenen Themen einladen.

So erzählt ein Vater:

Durch die ARWED bin ich auf ein Seminar zum Thema CRAFT aufmerksam geworden. Ich hatte über ein Jahr lang nicht mit meinem Sohn gesprochen. Ich habe ihn nur manchmal aus der Ferne gesehen. In dem Seminar habe ich Mut gefasst, wieder mit ihm Kontakt aufzunehmen. Ich habe dort gelernt, bewusster mit ihm zu sprechen. Ich habe verstanden, dass ich ihn als erwachsene Person ernst nehmen muss. Das bedeutet, ihn nicht mehr in der Rolle als Vater anzusprechen, sondern als eigene Person. Ich wurde motiviert, gemeinsam mit ihm etwas zu unternehmen, was ihm Freude macht, um ihn wieder zu erreichen. Inzwischen haben wieder einen vertrauensvollen und regelmäßigen Kontakt. 

Hier haben wir für Euch die aus unserer Sicht besonders interessanten, bewährten und neuen Konzepte in der ambulanten Suchthilfe zusammenfassend aufgelistet. Mehr…