< Zurück zur vorigen Seite

Übersicht Angebote ambulante Hilfen

A. Angebote und Aufgaben der Suchtberatung allgemein

Zu den Angeboten der Suchtberatung zählen niedrigschwellige AngeboteBeratung von Betroffenen und deren Angehörige, Aufsuchende Beratung, Offene Sprechstunden, Betreuung und Begleitung, ambulante Rehabilitation, Vermittlung in weiterführende Hilfen, PSB (= Psychosoziale Betreuung Substituierter), Aufsuchende und Vorsorgende Hilfen, Aufsuchendes Suchtclearing, Ambulant betreutes Wohnen, Ambulante Psychotherapie, Ambulante Rehabilitation, Suchtberatung im Justizvollzug, Erschließung von regionalen Hilfenetzwerken und Hilfeverbundsystemen, Hilfen zur Wiedereingliederung in den Alltag, individuelle Hilfeplanung mit dem Ziel der Ermöglichung der Teilhabe, spezielle Programme für bestimmte Gruppen (nach Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung, Herkunft, Trauma, ADHS, Doppeldiagnose etc.), Online-Beratung, Unterstützung durch die Selbsthilfe

B. Zusammenarbeit und Netzwerke 

Es entstehen immer mehr Behandlungsverbünde zwischen den Beteiligten in der Suchthilfe. Viele der in den Behandlungskontext eingebundene Stellen wie Beratungsstellen, Jugendämter, Gesundheitsämter, Ärzte, Therapeuten, Kliniken, sozialpsychiatrische Dienste, Reha- und Adaptionskliniken, Jobcenter, Führerscheinstelle, Polizei, Justizvollzugsanstalt, Betreuungsstellen in der gesundheitlichen und sozialen Sicherung, Selbsthilfe, usw. stehen im Austausch miteinander, beispielsweise über Fachkonferenzen oder direkte Kooperationsvereinbarung und Netzwerke.  

C. Niedrigschwellige Angebote

hierzu gehören zum Beispiel Kontakt und Begegnungsstätten, Streetwork, (mobile) Drogenkonsumräume, Notschlafstellen, Maßnahmen zu Harmreduction etc. Die meisten Beratungsstellen bieten auch offene Sprechstunden an, so dass ein Besuch dort auch spontan möglich ist. 

D. Betreuung und Begleitung 

Von Sucht betroffene Menschen können Hilfe in Form einer individuellen Betreuung und Begleitung durch Beratungsstellen, Gesundheitsamt, Fachambulanzen oder Institutsambulanzen in Anspruch nehmen.

Individuelle Betreuung und Begleitung Jugendlicher und junger Erwachsener nach §§ 27ff SGB VIII im Auftrag des Jugendamtes: Diese Begleitung kann auch mit Jugendlichen durchgeführt werden, die vorerst keine Konsumreduktion oder eine stationäre Therapie anstreben. Der Jugendliche wird nicht über den Konsum definiert und erhält in einem geschützten Rahmen die Möglichkeit positive und negative Aspekte des Konsums gegeneinander abzuwägen, um so eventuell zu einer Änderungsbereitschaft zu gelangen und Alternativen zum Konsum zu entwickeln.

Aufsuchende Beratung  wird durch die verschiedenen Beratungsstellen, wie zuvor benannt, abgedeckt.

Ambulante Erziehungshilfe (AEH) Für Kinder/Jugendliche und deren Eltern gibt es zusätzlich auch die aufsuchende Beratung durch das Jungendamt oder vermittelt durch das Jugendamt.

Aufsuchende Hilfen für Menschen mit schweren psychischen Problemen sind auch Schwerpunkt der Arbeit des Sozialpsychiatrischen Dienstes (SPD), der normalerweise den Gesundheitsämtern angegliedert ist. Der SPD übernimmt auch vorsorgende Hilfen, um bei einer schweren psychischen Erkrankung oder Wiedererkrankung und bei sich anbahnenden Konfliktsituationen zu gewährleisten, dass die Betroffenen rechtzeitig ärztlich behandelt und im Zusammenwirken geeignete betreuende Einrichtungen in Anspruch genommen werden. Vorsorgende Hilfen können aber auch unter bestimmten Bedingungen darin bestehen, eine frühzeitige – und möglichst freiwillige – Krankenhausaufnahme einzuleiten und zu vermitteln, wenn dies notwendig ist. 

In Köln gibt es beispielsweise das aufsuchendes Suchtclearing (ASC), eine Kooperation zwischen Gesundheitsamt und Suchthilfeträgern. Im Rahmen der aufsuchenden Sozialarbeit werden drogenabhängige Menschen in das bestehende Suchhilfesystem vermittelt.

Ambulant betreutes Wohnen hilft dem Betroffenen mit Fachleistung und Assistenzleistung in ihrem eigenen Wohnumfeld. Es wird von Einrichtugen in der jeweiligen Kommune angeboten, z.B. den örtlichen Sozialpsychiatrischen Zentren und auch den Drogenberatungen. Finanziert wird dieses Angebot von/ für

Ambulante Psychotherapie ist seit 2011 u. a. bei Drogenabhängigkeit möglich, auch wenn noch keine Suchtmittelfreiheit besteht. Diese wird durch die Krankenkassen finanziert. Voraussetzung ist, dass Betroffene erste Schritte in Richtung einer Abstinenz unternommen haben.

Ambulante Rehabilitation- Entwöhnungsbehandlung im Lebenskontext bei Abhängigkeit von illegalen Drogen, wie Cannabis, Amphetaminen, Partydrogen, Kokain, Opiaten und Polytoxikomanie. Geeignet ist diese Thearapieform für Menschen mit starkem Abstinenzwillen, die in einem relativ stabilen, intakten Umfeld leben und einen strukturieren und ausgefüllten Tagesablauf haben.

Online-Beratung bietet inzwischen jede 10. Beratungsstelle an. Das Angebot der verschiedenen Internet-Beratungsforen ist groß und reicht von Konsum-Selbsttests über Substanz-Wissenstests bis zu Hilfen zur Konsumreduzierung, siehe beispielsweise Angebot auf der Seite drugcom.de. Unter dem Suchbegriff „Drogenhilfe Online“ findet man ein umfangreiches Angebot.

Ein spezielles Online-Beratungs-Programm für Eltern von suchtgefährdeten und abhängigen Kindern und Jugendlichen ist ELSA. Es besteht aus einem Online-Chat mit persönlichem Berater, Familientagebuch, Übungen und einem Modul Entspannung, Zeit für mich. Infos unter elternberatung-sucht.de 

Selbsthilfegruppen für Betroffene und/oder Angehörige. Sie bieten Austausch von Erfahrung und Unterstützung. Gerade formieren sich viele junge Betroffenengruppen. Die Angebote können über die Selbsthilfekontaktstellen vor Ort recherchiert werden 

E. Spezielle Hilfsprogramme: 

Mdft: Multidimensionale Familientherapie

Das ist ein spezielles Behandlungssystem für drogenmissbrauchende Jugendliche mit multiplen Verhaltensauffälligkeiten und ihre Familien. Das therapeutische Konzept wurde in Deutschland zuerst in Berlin in 2003 eingeführt und wird inzwischen vom 2010 gegründeten Dachverband „MDFT Europe“ unterstützt und fachlich begleitet. Das Programm berücksichtigt 4 verschiedene Interventionsebenen: 

Die Dauer der Intervention beträgt 5 -6 Monate mit mehreren Kontakten pro Woche.

CANDIS

Ein moduläres Ausstiegsprogramm für ältere Jugendliche (>= 16 Jahre) und Erwachsene mit Cannabisstörungen basierend auf den 3 Behandlungsmodulen Motivationsförderung (MET), Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) und Training zum Umgang mit psychischen und sozialen Problemen.

FreD

Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten. Das Programm wurde im Jahr 2000 eingeführt und richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die illegale Substanzen konsumieren und dabei strafrechtlich auffällig geworden sind. Das Angebot besteht aus einem Erstgespräch und Gruppenstunden, in denen der Konsum thematisiert und reflektiert wird und einem Abschlussgespräch. Daran können sich weitergehende Hilfen anschließen.

Kurve kriegen

Regionales Programm im Rhein-Erft-Kreis für mehrfach tatverdächtige Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 15, bei denen die Gefahr der Entwicklung zu sog. Intensivstraftätern besteht. Das Programm wird in Zusammenarbeit mit Polizei und Jugendamt über einen Zeitraum von durchschnttlich 2 Jahre durchgeführt und besteht aus den Modulen Coolnesstraining, Elterncoaching, Erlebnispädagogik und Sozialkompetenztraining.

MPU-Vorbereitungsprogramme = Med.psychol.Untersuchung?zum Wiedererwerb der Fahrerlaubnis, Auch Suchtberatungsstellen bieten hier entsprechende Angebot an.

Skoll: Selbstkontrolltraining

ist ein Gruppentraining, das die Teilnehmer bei der Selbstkontrolle ihres Konsums unterstützt und gemeinsam Strategien zur Krisenbewältigung entwickelt und alternative Verhaltensweisen sucht.

Realize it

Ist ein Programm zur Frühintervention bei Cannabis Missbrauch, das 2004 mit der Zielsetzung, den individuellen Konsum signifikant zu reduzieren, eingeführt wurde. Zu dem Programm gibt es ein Online-basiertes Begleitheft und Online-Tagebuch. Das Programm wurde inzwischen schon in zahlreichen Beratungsstellen implementiert.

Quit the Shit

Ist ein Online-Programm, das junge Menschen mit problematischem Cannabiskonsum über einen Zeitraum von 4-6 Wochen mit Unterstützung eines professionellen Online-Beratungsteams und einem Online-Konsumtagebuch helfen soll, den Cannabis Konsum zu reduzieren oder vollständig aufzugeben.

TVG: Therapievorbereitungsgruppe  

TVG hilft bei der Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsum und dient der Vorbereitung auf eine medizinische Rehamaßnahme. Diese Maßnahme kann auch der Motivationsprüfung dienen und vom Leistungsträger vorgeschrieben werden.

Wohntraining

Bietet Menschen mit Behinderung und/oder psychischer Erkrankung und deren Angehörigen die Möglichkeit begleitetes Wohnen mit Unterstützung auszuprobieren. Es richtet sich an erwachsene Menschen, die noch zu Hause wohnen und eine Wohnperspektive entwickeln möchten.

F: Beispiele für Gesprächs- und Therapieansätze 

MOVE / Motivierende Gesprächsführung

Das Konzept MOVE (= Motivierende Kurzintervention) und die Motivierende Gesprächsführung (MI = Motivational Interviewing) beinhalten Methoden der Gesprächsführung zur Erhöhung der Eigenmotivation von Menschen, um problematisches Verhalten (z.B. Sucht) zu ändern.

Der Schwerpunkt liegt bei der Förderung der Änderungsbereitschaft, Verstärkung von Ambivalenzen sowie der empathischen Begleitung und Unterstützung von suchtmittelkonsumierenden Menschen im Veränderungsprozess auf Augenhöhe. Siehe auch hier, die Infos dazu auf der Seite der Ginko-Stiftung und www.motivational-interview.de

In eigener Sache: Der Elternkreis Köln hat in Zusammenarbeit mit dem SKM Köln bereits 4 x ein Elternseminar zu diesem Thema veranstaltet, von dem die Eltern sehr profitiert haben. Das Arwed Strategieteam möchte dabei unterstützen, dieses Konzept auch in weitere Elternkreise zu tragen.

Andere psychotherapeutische Interventionsformen in der Suchtberatung, die als besonders wirksam erachtet werden, sind u.a. die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) und Kontingenzmanagement (KM) und die Kombinationen der verschiedenen Ansätze.

Community Reinforcement Approach: CRA= Gemeindeunterstütze Suchttherapie

Der Ansatz besteht darin, Vertrauen zum Süchtigen aufzubauen, gemeinsam mit ihm Ziele, die einen Konsumverzicht lohnend machen festzulegen und zu überprüfen, ein Netzwerk zu schaffen, das hilft, diese Ziele erreichbar zu machen, z.B. Vernetzung mit Jobcenter, Führerscheinstelle, Tierheim, Ehrenamtlichen Organisation. Wichtig dabei ist die Positive Verstärkung – gemeinsam neue Horizonte aufmachen

CRAFT: CRA Konzept, aber mit Einbindung der Angehörigen

Ziele: Verringerung des Substanzkonsum, Behandlungsaufnahme, Verbesserung der Lebenszufriedenheit der Angehörigen. Dies wird erreicht durch: